Tagebuch eines Ungeborenen

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2. Monat | 3. Monat | 4. Monat | 5. Monat
6. Monat | 7. Monat | 8. Monat | 9. Monat

1. Tag

1. Tag1. TagHeute hat mein Leben begonnen. Ich bin noch unsichtbar für das Auge, aber alle Merkmale meines menschlichen Lebens sind bereits unverwechselbar und vollständig festgelegt.

7. Tag

Ich habe es mir in der Gebärmutter meiner Mama gemütlich gemacht. Noch weiß sie gar nichts von mir und doch versorgt sie mich schon über ihren Körper.

14. Tag

Jede meiner Zellen weiß, was sie werden soll. Ich bin nun bereits mit bloßem Auge zu sehen (1,5 mm) und federleicht.

21. Tag

Die verschiedenen Zellen meines Körpers entwickeln sich zu einzelnen Organen. Ich besitze erste Blutgefäße. Heute ist ein großer Tag: mein Herz schlägt erstmals, und zwar doppelt so schnell wie das meiner Mutter. Ich bin 6 mm groß. Mittlerweile haben meine Eltern erfahren, dass es mich gibt.

28. Tag

Ich bin einen Monat alt und 1 cm groß. Am größten ist zurzeit mein Kopf mit dem sich entwickelnden Gehirn. Meine Arme und Beine, Ohren und Augen sind bereits zu erkennen. Im Ultraschall können meine Herztöne erfasst werden.

2. Monat

6,5 Wochen6,5 Wochen8 Wochen8 WochenPuh, diesen Monat lege ich ein ordentliches Tempo vor. Würde ich so weiter wachsen, wäre ich bei der Geburt 14 Tonnen schwer! Meine Organe und mein Gehirn wachsen rasch, auch meine Gesichtszüge werden immer sichtbarer. Mein zentrales Nervensystem funktioniert schon und ich kann bereits einiges wahrnehmen: Zum Beispiel, ob das Fruchtwasser warm genug ist. Wenn mir etwas nicht behagt, kann ich den Kopf wegdrehen. Alle meine äußeren und inneren Organe sind am Endes dieses Monats an ihrem endgültigen Platz und noch etwas: Für mein ganzes Leben bin ich nun unverwechselbar: Ich habe bereits meine endgültigen und einzigartigen Fingerabdrücke.

3. Monat

10 Wochen10 Wochen13 Wochen13 WochenEs ist toll hier drin: Ich schwebe wie ein Astronaut schwerelos im Fruchtwasser. Mit der immer stärker werdenden Muskulatur meiner Beine und den funktionierenden Knien kann ich mich von der Wand der Gebärmutter abstoßen und Purzelbäume schlagen. Fruchtwassertrinken ist auch ganz lustig, da bekomme ich Schluckauf, später wird meine Mama das dann auch spüren können. Die Haare und Nägel beginnen zu wachsen. Außerdem: Deutlich zu sehen ist bereits, ob ich ein Mädchen oder ein Junge werde. Unangenehm ist, dass ich in meinem zarten Alter bereits Schmerz empfinden kann, da kann ich meine kleinen Finger dann schon hin und wieder zu einer Faust ballen. Am Ende dieses Monats funktionieren meine Organe, ich bin 12 cm lang und wiege 6,5 Gramm.

4. Monat

18 Wochen18 WochenIn diesem Monat steigert sich meine Wachstumsgeschwindigkeit noch mal ganz schön. Meine Organe „hören“ jetzt sogar schon aufeinander und arbeiten zusammen, der Aufbau meiner zarten Haut wird fertig, sie ist aber noch so durchsichtig, dass meine kleinen Blutgefäße sichtbar sind. Zum Schutz wachsen mir kleine, feine Härchen. Die Netzhaut erkennt schon Lichtstrahlen, obwohl ich meine Augen noch gar nicht öffnen kann. Meine Ohren sind toll: Ich höre den Herzschlag und das Magenknurren meiner Mutter und meines Papa, der immer wieder mit mir spricht.
Viel interessanter ist aber, was ich sonst noch alles kann: Ich kann Grimassen schneiden und zum Spielen habe ich die Nabelschnur entdeckt. Unglaubliche 20 cm bin ich am Ende dieses Monats, bei einem Gewicht von 240 Gramm.

5. Monat

Mein Gehirn wird schön langsam ein richtiger kleiner Computer: 10 Milliarden Nervenzellen beginnen miteinander in Verbindung zu treten. Wenn ich mich wohl fühle, lächle ich und überhaupt betreibe ich mit meinen Armen und Beinen ziemlich viel Sport. Mama gefällt das, wenn sie mich durch die Bauchdecke spürt. In meinem Kiefer beginnen sich sogar schon die Zähne zu bilden. Außerdem übe ich an meinem Daumen das Saugen, damit ich nach der Geburt an Mamas Brust trinken kann. Stattliche 28 cm bin ich jetzt groß und 580 Gramm schwer.

6. Monat

Schön langsam sammle ich nun Fettreserven für die Zeit nach der Geburt, denn da ist es dann etwas kühler als hier drin. Meine Sinnesorgane werden immer brauchbarer: Die Augen beginnen sich zu öffnen, mit den Ohren kann ich angenehme und unangenehme Töne unterscheiden. Und hübsch werde ich: Meine Augenbrauen und Wimpern wachsen. Wenn meine Mama Ärger, Stress oder Sorgen hat, dann fühle ich mich aber ganz und gar nicht wohl. Noch kann ich mich ganz gut in meiner schützenden Höhle bewegen und die Lage verändern, obwohl ich am Ende des Monats stolze 35 cm groß und 1000 Gramm schwer bin.

7. Monat

Ich schlucke jede Menge Fruchtwasser und habe entdeckt, dass es nicht immer gleich schmeckt, das liegt daran, was Mama gerade gegessen hat. Wenn ich dann Schluckauf habe, dann spürt man das auch durch die Bauchdecke. Inzwischen kann ich gut zwischen verschiedenen Geräuschen und Stimmen unterscheiden. Meine Proportionen sehen nun genau so aus, wie bei der Geburt, nur kleiner, denn ich messe jetzt ca. 39 cm und bin 1700 Gramm schwer. Etwas ganz Wichtiges passiert noch in diesem Monat: Meine Lungen werden langsam reif. Würde ich jetzt geboren, wäre ich lebensfähig.

8. Monat

Es wird schön langsam eng in diesem Bauch. Ich muss mich in die Geburtsstellung begeben, bevor ich zu rundlich werde und kann mich nur mehr sehr eingeschränkt bewegen. Umso mehr träume ich und genieße es, wenn Mama spazieren geht und ich mich im Rhythmus ihrer Schritte schaukeln lasse. In diesem Monat werden alle die Kleinigkeiten fertig, die aus mir ein noch hübscheres Baby machen: Die Kopfhaare sprießen und die Fingernägel wachsen. Am Ende des Monats messe ich ca. 45 cm und wiege ungefähr 2500 Gramm.

9. Monat

Es ist eng, und meine ganze Aufgabe ist es nun, Gewicht und Kraft für meine Geburt zu sammeln. Ich verliere meine Hautfalten und – geschützt mit einer dicken Schicht Käseschmiere – bin ich bereit für die Geburt, bereit für das Abenteuer Leben!